Die ehrenamtliche Schneiderin vom Theodor-Fliedner-Haus
05.11.2026
Wenn auf dem Altartisch Garnrollen, Knöpfe und Kurzwaren ausgebreitet werden und das Bügelbrett vor den Kirchenfenstern Aufstellung nimmt, dann ist Mittwoch, und zwar der erste im Monat. Für einen langen Nachmittag kommt die Schneidermeisterin und Schnitttechnikerin im Ruhestand Regina Kamperdick ins Westerholter Theodor-Fliedner-Haus und baut in der dortigen Kapelle ihr Änderungs-Atelier auf. Noch während sie ihre Nähmaschinen einrichtet und das Bügeleisen auf Temperatur bringt, warten schon die ersten Bewohner*innen.
Eine 86jährige, die seit Januar im Haus lebt, kommt regelmäßig. „Mal einen Halsausschnitt verkleinern, einen Pullover kürzen oder Druckknöpfe anbringen – irgendwas finde ich immer“. Hubert Rosiejak hat ein pinkfarbenes Polo-Hemd mitgebracht, die ehrenamtliche Änderungsschneiderin wird ihm gleich neue Knöpfe anbringen. Auch er ist Stammkunde. „Sie macht das hervorragend“, strahlt er. „Ich könnte es nicht besser“, fügt er grinsend hinzu.
Helene Walter möchte den Bund ihrer Hose etwas erweitern lassen. Außerdem hat sie ein riesiges, gemustertes Wolltuch bei sich, in dem sie fast versinkt. Ob Regina Kamperdick daraus zwei machen könnte? Sie kann. Die Bewohner*innen rollen aus der Kapelle. Gegen 17, spätestens 18 Uhr kommen sie wieder, um Hose, Hemd und Wollschal abzuholen.
Wenn es mal komplizierter ist, nimmt sich die Schneiderin die Näharbeiten auch mit nach Hause. „Ich bin Rentnerin“, sagt sie, „ich brauche einen geregelten Arbeitstag.“ Und um den zu füllen, begleitet Kamperdick auch Bewohner*innen bei Arztbesuchen und sorgt im Rahmen der Aktion „Brotzeit“ dafür, dass niemand an der Süder Grundschule hungrig zum Unterricht gehen muss. Brot, Butter und tragbare Kleidung – die Ehrenamtliche kümmert sich um das Wesentliche.