Gruppenbild vor den Fahrplänen am Europaplatz/Busbahnhof Recklinghausen
Lots*innen-Projekt der Ev. Familienbildung

Selbstbewusst und sicher durch den ÖPNV

Lots*innen Projekt

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, braucht nicht nur starke Nerven, sondern auch gewisse Kenntnisse, um sich in Tarif-Dschungel und Fahrplänen zurecht zu finden. So gesehen bedarf das Lots*innen-Projekt der EFB in Zusammenarbeit mit den RW keiner Erklärung. Im Gegenteil – Vergleichbares sollte viel weiterverbreitet sein.

Das Besondere in diesem Fall: Menschen mit Handycap machen sich mit den Gepflogenheiten von Bus und Bahn vertraut, lernen, welche Apps hilfreich (oder unabdingbar sind), wie man sich gegenüber anderen Fahrgästen verhält, mit Rollatoren umgeht – und dass man immer eine Alternative im Hinterkopf haben muss für den Fall, dass etwas nicht nach (Fahr-) Plan läuft, was ja schon mal vorkommen kann. Vor allem werden sie in die Lage versetzt, anderen Menschen, die mobil eingeschränkt und ÖPNV-unerfahren sind, zu helfen – sie im besten Sinne des Wortes zu lotsen.

Im Juni 2025 hatte die Vestische mit einem Info-Bus in den Recklinghäuser Werkstätten Station gemacht und interessierten Beschäftigten Handzettel in einfacher Sprache und einen Crash-Kurs in Sachen Lots*innen-Dienst gegeben. Und die waren gleich begeistert und wollten mehr darüber erfahren. So ist das Projekt mit Unterstützung der Vestischen entspanden.

Erfahrung mit Bus und Bahn, das stellte sich schnell heraus, haben die meisten Teilnehmer*innen reichlich. Sie erzählen von Bahnreisen nach Borkum, Berlin, München und an den Möhnesee. Was sie im Lotsen-Kurs dazu gelernt haben: „Menschen beobachten. Wenn jemand Angst hat, frage ich, ob ich helfen kann“, „Schwangeren und Älteren den Platz anbieten“, „Die beste Verbindung mit der App rauszusuchen“, „Und immer schon den Rückweg mitplanen.“

Das ist auch wichtig für die Probefahrten. Die Gruppe trifft sich am Recklinghäuser Hauptbahnhof und hat nach der Lagebesprechung 105 Minuten Zeit, zu einem beliebigen Ziel und zurück zu fahren, der Weg und die Verkehrsmittel müssen protokolliert werden. Vier junge Männer wollen nach Gelsenkirchen, am liebsten zur Arena, aber das - so wird schnell klar – gibt der Fahrplan nicht her.  Und nun? Bus 224 oder RE 42, es führen mehrere Wege nach GE. Und wie geht es dort weiter? Welches Ziel steuern wir an, wenn Schalke zu weit weg und unter der Woche auch nur mäßig interessant ist?

Pünktlich sind alle wieder zurück und können sich nun jeden Dienstag ab 8.30 Uhr auf die Abschlussprüfung Anfang November vorbereiten. Danach gibt es eine Urkunde und eine gelbe Weste. Und hoffentlich bald einen weiteren Kurs – gerne in bewährter Zusammenarbeit mit der Vestischen.

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