Aktuelle Diskussionen über den Freiwilligendienst
06.08.2026
Die Politik diskutiert über einen „neuen“ Zivildienst – und ruft erfreulicherweise die jahrzehntelange Erfahrung der Wohlfahrtsverbände dazu ab. Noch sind wir weit entfernt von einer allgemeinen Wehrpflicht, an deren Seite der Ersatzdienst wieder stünde.
Reden wir daher lieber über eine auskömmliche Ausstattung der Freiwilligendienste. Mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) verfügen wir bereits über bewährte Angebote, die jungen Menschen ermöglichen, sich zu engagieren, sich persönlich weiterzuentwickeln und wertvolle Einblicke in soziale Berufe zu gewinnen. Diese Plätze müssen bundesweit finanziell gesichert werden. Die Dienste brauchen mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit, zumal auch die Bezahlung auseinanderklafft: 2.600 Euro beim freiwilligen Wehrdienst, rund 500 Euro Taschengeld beim FSJ/BFD. In der gesellschaftlichen Debatte muss auch geklärt werden, ob eine mögliche zukünftige Wehrpflicht für Männer und Frauen gleichermaßen gilt, weil sonst der Zivildienst zwingend männlich würde und die Freiwilligendienste tendenziell weiblich.
Innerhalb unseres Freiwilligenreferats in Diakonie und Kirche im Kirchenkreis Recklinghausen bieten wir im gesamten Jahreslauf derzeit rund 80 Freiwilligen Plätze an. Wir stehen jungen Männern schon heute beratend zur Seite, wenn sie eine Haltung zum Freiwilligendienst oder zum Wehrdienst entwickeln – eine persönliche Entscheidung, die existenzieller ist als je zuvor und die sich unabhängig von einer Wehrpflicht stellt.
Erwartungen, dass der Zivildienst die Mitarbeitenden-Krise im Sozialen dämpfen könnte, möchten wir klar widersprechen: „Zivis“ waren immer zusätzlich und jenseits der Fachlichkeit unterwegs, wie unsere Freiwilligen heute auch. Dennoch trugen sie viel mit und bei, wie heute FSJler und BFDler.