Gruppenbild vor dem Kircheneingang
Philipp-Nicolai-Kirche wir zu einem Beratungs-Campus mit sozial-diakonischen Profil

Abschied und Aufbruch

Das von der Decke hängende Kreuz im Altarraum

Die Entscheidung steht seit zehn Jahren im Raum, 2023 wurde sie gefällt, jetzt wird es konkret: Die Evangelische Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd muss die Philipp-Nicolai-Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft der Recklinghäuser Werkstätten als Predigtstandort aufgeben. Gottesdienste finden zukünftig in der Lutherkirche an der Bochumer Straße statt. Das tut weh.

„Die Trauer ist da“, bekennt Presbyterin Hannelore Klippel, „aber die Kita und die Gemeindegruppen bleiben“. Pfarrer Heinz-Jürgen Roch ergänzt: „Es gehört zur protestantischen DNA, lieber eine Kirche als einen Kindergarten aufzugeben“.  Die Kita des Ev. Gemeindeverbundes gleich neben der Kirche steht nicht zur Disposition. Roch selbst hat das Pfarrhaus schon geräumt – hier ziehen demnächst die Gemeindegruppen ein.

Was den Abschied für die Gemeinde unter der Leitung von Pfarrer Martin Janus ein wenig erträglicher macht – neben wegfallenden Unterhaltskosten in Höhe von 60 000 Euro pro Jahr: Die Philipp-Nicolai-Kirche, in der die Recklinghäuser Werkstätten bislang immer ihre Weihnachtsgottesdienste feierte, wird an die Stiftung Kirche.lebt.Zukunft verpachtet, die das Gebäude an den Verein Frauenhaus Recklinghausen e.V. vermietet. Im bisherigen Kirchenschiff werden Beratungsbüros und im Altarraum ein großer Mehrzwecksaal eingerichtet. Darüber wird eine Decke eingezogen, so dass im neu entstandenen Obergeschoss Wohnräume für Frauen in Not und ihre Kinder entstehen.

Dass der Standort eines Frauenhauses öffentlich bekannt gemacht wird, ist neu, aber bewusst gewählt, das Sicherungskonzept mit der Polizei besprochen. Diplom-Ingenieur Lucas Braecklein beschäftigt sich schon seit langem mit der Umwandlung von Kirchen. Die Stiftung Kirche.lebt.Zukunft will aufgegebene Kirchen erhalten. „Ein Abriss, um Platz für einen Discounter zu schaffen, wäre der Worst Case - eine sozial-diakonische Nachnutzung, wie hier in Recklinghausen-Süd, der Idealfall“, so der Architekt.

Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen wird sich mit einem Neubau an der Straße an dem neuen Campus beteiligen. Noch ist nicht entschieden, ob dort Wohngruppen für Kinder und Jugendliche oder Menschen mit einer Beeinträchtigung entstehen. Wie auch immer, der Standort ist gut gewählt, sind doch die Werkstätten und verschiedene Einrichtungen und Wohngruppen der Ev. Jugendhilfe Recklinghausen Ambulant gleich um die Ecke, in der Alten Grenzstraße sowie Overberg-, und König-Ludwig-Straße zuhause.

Der Umbau wird ca. 3 Millionen Euro kosten und im Januar 2027 beginnen. Geplant ist eine Bauzeit von 18 Monaten. Ausstattungsgegenstände der Philipp-Nicolai-Kirche wie Kerzenleuchter, Taufbecken und ähnliches finden an anderen Orten eine neue Verwendung. Die Kirchenfenster werden ausgebaut und später als hinterleuchtete Glasbilder im Beratungszentrum die Wände schmücken und an die ursprüngliche Philipp-Nicolai-Kirche erinnern.

Eins freut Michael Kornau, Vorstand der Stiftung Kirche.lebt-Zukunft und des Hospiz zum Heiligen Franziskus, ganz besonders: „Vom Frauenhaus kam die Anfrage, ob wir hier einen Raum der Stille einrichten können.“

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