„Ihr sollt meine Leute sein“ - Bericht von der Eröffnungsfeier
Statt eines symbolischen Schlüssel überreichte Diakonie-Geschäftsführer Dr. Dietmar Kehlbreier zur Eröffnung der Jugendwohngruppen Lippramsdorf einen hölzernen Schriftzug für die noch weiße Wand: „Ich will bei Euch wohnen und Euer Gott sein. Und ihr sollt mein Volk sein“. Oder wie es die Volxbibel ausdrückt: „Ihr sollt meine Leute sein“. Der Theologe hofft, „dass Gott mit einzieht, dass Liebe mit einzieht und der Blick auf das, was Menschen gut können.“
Dass es sich in dem zweistöckigen Neubau gut wohnen lässt, davon konnten sich die gut 60 Festgäste selbst überzeugen. Die Flure sind weit, die Fenster groß, überall ist viel Platz, um herumzutoben, ob mit oder ohne Rollstuhl. Das Gebäude ist barrierefrei und bietet sogar Platz für ein Eltern-Apartment. „Dort können die Eltern - fachlich begleitet - das Zusammenleben mit ihren Kindern wieder einüben“, erläutert Heinrich Thesing, Leitung der Ev. Jugendhilfe Recklinghausen, Bereich Wohngruppen.
12 Kinder sollen hier auf 580 Quadratmeter ein Zuhause finden - acht sind schon eingezogen, begleitet von 14 pädagogischen und hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden unter der Leitung von Tina Pöther und Geraldine Redeman.
Diakonie-Geschäftsführerin Christa Stüve moderierte die Eröffnung, dankte allen Beteiligten und bezeichnete Haltern als einen „tollen Ort für dieses Projekt der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe.“ Geschäftsfeldleiter David Cziudaj sprach von einem Haus, das Schutz, Geborgenheit und Orientierung gibt. „Ein Haus, das in die Zukunft blickt.“ Für Heinrich Thesing „ein wahr gewordener Traum“. Zahlreiche Redner*innen schlossen sich an, unter ihnen Johannes Burrichter, Leiter der Bauabteilung. Er und Architekt Sven Eschenröder haben beim Bau nicht nur energetische und statische Aspekte berücksichtigt, sondern auch pädagogische: „Alle Zimmer sind gleich groß und sehen im Moment (beim Einzug,K.J.) gleich aus. So gibt es keinen Streit um das schönste Zimmer.“
Neben der Bibel wurde an diesem Vormittag auch ein afrikanisches Sprichwort zitiert: „Ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“. Die Diakonie hat sich für Lippramsdorf entschieden. So kamen die Nachbarn mit Brot, Salz und einem Apfelbäumchen zur Eröffnung – mehr als Nahrung, Würze und Vitamine. Das Pflanzen eines Apfelbaums steht für die Hoffnung in schwierigen, scheinbar aussichtslosen Zeiten. Egal, ob es sich auf die Weltlage oder ein Kinderschicksal bezieht. Wenn alles gut läuft, können die Kinder und Jugendlichen später in ihre Herkunftsfamilie zurückkehren. Bis dahin freut sich Heinrich Thesing auf den Austausch mit den Nachbarn: „Sprechen sie uns an!“