Das zweite Leben der ausgedienten Arbeitskleidung
12.03.2026
Taschenproduktion
Das in Ratingen ansässige Unternehmen Brand Energy & Infrastructure Services hat der Dorstener Werkstatt einen besonderen Auftrag erteilt - in den nächsten drei Jahren sollen hier 360 robuste Taschen produziert werden. Das Besondere ist das Ausgangsmaterial: ausgediente Arbeitskleidung aus dem Unternehmen, das Gerüste, Treppen und Sicherheitszubehör für Bauprojekte bereitstellt. Da es sich um besonders ausgestattete und beschichtete Sicherheitskleidung handelt, müssen die Textilien erst sorgfältig gereinigt werden, bevor die Beschäftigten des TextilWerks die Jacken und Hosen sortieren, aufschneiden, Ärmel heraustrennen, Seitennähte öffnen und die einzelnen Stoffstücke bügeln.
Mitarbeiterin Barbara Pötter schneidet die Stoffe dann so zu, dass sie danach zu Taschen zusammengenäht werden können. „Jede Tasche ist ein Unikat.“ Dazu noch ein sehr nachhaltiges: Reißverschlüsse, Schnallen, Knöpfe – alle Ausgangsmaterialien der Kleidung, die nicht in der Tasche bleiben, werden aufbewahrt und anderswo wiederverwendet. „Das Schönste an der Arbeit ist: Man sieht am Ende, was man in der Hand hat“ Und das fühlt sich verdammt gut an. Auch haptisch.
Die Beschäftigten bekommen so einen Auftrag nicht alle Tage. „Viele verschiedene feinmotorische Fähigkeiten werden dabei erlernt und trainiert. Die Arbeit erfordert Geduld und Genauigkeit. Das hilft uns, die Menschen besser auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten“, freut sich Pierre Menge-Kraft, Abteilungsleiter der Werkstatt Dorsten.
In den ersten sechs Wochen sind 35 hochwertige Prototypen der Tasche entstanden, die nun von Friederike Schramm und Mario Sylla von der Firma Brand begutachtet wurden. Die beiden machten sich in Dorsten-Wulfen selbst ein Bild vom Alltag in der Werkstatt im Allgemeinen und den einzelnen Arbeitsschritten im Besonderen.
„Am Ende steht nicht nur eine Tasche, sondern auch der sichtbare Stolz auf das, was gemeinsam erreicht wurde – und die Freude an den Menschen, die diesen Prozess teilen", fasst Friederike Schramm ihre Eindrücke zusammen.