Gemeinsam für Demokratie und Nächstenliebe
Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch wenn das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt vielen Menschen Angst macht. Die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen hatte deshalb am Tag danach zu einer Montagsandacht eingeladen – gegen die Angst, zur gegenseitigen Stärkung in schwierigen Zeiten – nicht nur, aber auch für die Demokratie.
Weit über 150 Menschen kamen in die Recklinghäuser Christuskirche, wo Diakonie-Geschäftsführer Dr. Dietmar Kehlbreier auf die Unvereinbarkeit der christlichen Botschaft mit einem völkisch-nationalistischen Menschenbild verwies, das Personengruppen ab- und ausgrenze. „Diese prinzipielle Gleichrangigkeit von Menschen ist christlicherseits nicht verhandelbar.“ Er berichtete aus dem Arbeitsalltag der Diakonie – Situationen, die nachdenklich, aber auch mutig machen.
Als Kirchenvertreter gefragt, warum Kirche sich nicht aus Politik raushalte, erwidert Pfarrer Dirk Schürmann von der Altstadtgemeinde: „Kirche ist nicht neutral, wir sind parteiisch für Menschen, die unsere Unterstützung brauchen.“
Und warum „Montagsandacht“? Als die Repressionen durch die DDR-Regierung immer schlimmer wurden und die Unzufriedenheit der Bürger*innen zunahm, stellten die Kirchen dort Räume zur Verfügung, an denen Menschen sich angstfrei austauschen konnten, unabhängig davon, ob sie einen Draht zur Kirche hatten. Die sogenannten Montagsgebete waren geboren. Die Situation heute ist eine andere. Aber Wachsamkeit bleibt wichtiger denn je, auch Mut, sich immer wieder dem Gespräch mit Andersdenkenden und –handelnden zu stellen.
Abschließend betete Kehlbreier, unterstützt von Superintendentin Saskia Karpenstein und Pfarrer Dirk Schürmann, für respektvolle Begegnungen, den Abbau von Vorurteilen und die Würde jedes Einzelnen. Für Menschen, die Hass und Ausgrenzung erleben, für die, die ihnen zur Seite stehen, für Brückenbauer und Verantwortliche in Politik und Gesellschaft, für Medien- und Kunstschaffende und den Zusammenhalt über Parteizugehörigkeiten und Weltanschauungen hinweg.
Verschiedene Vertreter aus dem Kreis Recklinghausen schlossen sich mit Redebeiträgen an – neben Karpenstein und Schürmann Bürgermeister Axel Tschersich, die stellvertretende Landrätin Elvira Aulich und Mark Rosendahl vom DGB. Auch Menschen aus den vollbesetzten Kirchenbänken meldeten sich zu Wort. Demokratie und Nächstenliebe gehen alle an.