Überschuldung – Notlagenverschärfung trotz Wirtschaftsboom. Diakonie Schuldnerberatung informiert und berät

Creditreform gibt bekannt: Im Kreis Recklinghausen leben 68.246 überschuldete Personen. Damit wurde 2018 ein trauriger Rekordwert erreicht.  „Das ist mehr als bedenklich“, erklärt Christian Overmann, Leiter der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis. Der seit 2010 in Deutschland ununterbrochene Wirtschaftsboom geht ökonomisch an den tatsächlich Bedürftigen vorbei. Die Lebenslagen von gut und weniger gut situierten Kreisbürgern driften im Aufschwung empfindlich auseinander. Mitbetroffen sind dann alle im Haushalt lebenden Personen. Ca. 140.000 Menschen erleben massiv spürbare ökonomische Härten wie z.B. Dauer-Vollstreckungen. Der Wille vieler Überschuldeter zu zahlen führt häufig zu einem Leben unter dem Existenzminimum. Aus falscher Angst wird „ auf Teufel komm raus“ weiter gezahlt. Die Versorgung des Haushaltes, besonders der Kinder ist gefährdet. Der Dauerdruck begünstigt Erkrankungen, besonders psychischer Art, bis hin zur Altersverwahrlosung.

Diese Situation birgt erheblichen sozialökonomischen Zündstoff. Die Betroffenen kommen aus den Sozialleistungen nicht heraus. Die Zahlen der gestiegenen Aufwendungen aus öffentlichen Kassen sprechen für sich.

„Trotz voller Auslastung erreicht die Schuldnerberatung im Kreis höchstens 10 % der Betroffenen. Ein notlagengerechter Ausbau der Beratungsstruktur ist dringend nötig und würde sich mehr als bezahlt machen“, so Christian Overmann. Angesichts der Zahlen plädiert die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen für einen Rechtsanspruch auf eine kostenfreie Schuldnerberatung und eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Schuldnerberatungsstellen.

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